Kategorie-Archiv: Schul(un)wesen

Sinn oder Unsinn von „Potenzialanalysen“ bei Achtklässlern

Publiziert am  von admin

Eine paar kurze Zitate aus diversen Quellen zum Thema um zu erläutern, worum es beim Thema „Potentialanalyse“ in den 8. Klassen der weiterführenden Schulen (die aber auch im Rahmen von Einstellungstests bei Erwachsenen zum Tragen kommen) eigentlich geht:

Kompetenzfeststellungsverfahren – variable und zielgruppenadäquate Tests (handlungs-

orientierte Verfahren, Online-Verfahren und schriftliche Tests) in den 8. Klassen, durchge-

führt von externen Trägern

http://www.bmbf.de/pubRD/Evaluationsbericht_BOP.pdf (PDF-Dokumente bitte immer in die Browserzeile kopieren, da sie sonst nicht funktionieren!)

Ergebnis:

Durch die vielfältigen Aufgabenstellungen werden folgende Potenziale sichtbar gemacht:

Kognitive Basiskompetenz: Schlussfolgerndes Denken, verbales Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit

Fachliche Basiskompetenz: Feinmotorische Fähigkeit, Präzision, Arbeitstempo

Sozialkompetenz: Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit- und Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit

Selbstkompetenz: Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen

Methodenfähigkeit: Problemlösefähigkeit, Planungsfähigkeit

Lern- und Arbeitsverhalten: Arbeitshaltung, Stressbewältigung

Berufliche Interessen und Neigungen

Praktisch gesagt, soll jeder Schüler nach der Potenzialanalyse in der Lage sein, folgende Fragen zu beantworten: „Was kann ich gut? Was interessiert mich und ist mir wichtig? Wie lerne ich? Wo brauche ich Unterstützung? Wo und wie kann ich meine Stärken besonders einbringen?“

Auswertungsgespräch:

In dem Auswertungsgespräch erhalten die SchülerInnen eine Rückmeldung über die beobachteten Ausprägungen und Verhaltensweisen. Des Weiteren werden die SchülerInnen sensibilisiert, ihr eigenes Lernverhalten zu hinterfragen, die verbleibende Schulzeit zu planen und inhaltlich zu gestalten, insbesondere im Hinblick auf die Wahlmöglichkeiten der Sekundarstufe II.

Für die anstehenden Berufsfelderkundungen und das in den folgenden Jahrgangsstufen anstehende Betriebspraktikum gewinnen die SchülerInnen wichtige Anhaltspunkte, um sich ein ihren Stärken, Interessen und Neigungen entsprechendes Tätigkeits- und Branchenumfeld herauszusuchen.

http://www.moment-talent.de/schulen/potenzialanalyse-an-oberbergischen-schulen.pdf

Es ist natürlich völlig unrealistisch davon auszugehen, dass der Schüler (der Einfachheit halber belasse ich es bei der männlichen Form) aufgrund des Testergebnisses auf Basis eines Online-Tests und kurzzeitiger Beobachtung seines Verhaltens in der Gruppe an nur einem Tag objektiven Aufschluß darüber erlangt, was er „gut kann“ oder was ihn „wirklich interessiert“.  Seine eigene Wahrnehmung in seinem bisherigen Leben sowie die Wahrnehmung derer, die ihn gut kennen, seiner Lehrer, deren Beruf es ist und deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, die Potentiale ihrer Schüler zu erkennen, und insbesondere seiner Eltern, soll da also weniger aufschlussreich sein?

  • Potenzialanalyse als Bestandteil der Individuellen Förerdung im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung:

Die Potenzialanalyse ermöglicht es Jugendlichen, zu Beginn ihres systematischen Berufs- und Studienorientierungsprozesses durch Selbst- und Fremdeinschätzungund durch handlungsorientierte Verfahren ihre Potenziale zu entdecken.

Jugendliche entdecken dabei auch unabhängig von geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen ihre fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Potenziale im Hinblick auf die Lebens- und Arbeitswelt.

http://www.berufsorientierung-nrw.de/standardelemente/potenzialanalyse/

Genau das ist es: Die Fremdeinschätzung ist hier das wesentliche Element, das in der Potentialanalyse zum Tragen kommt, und zwar im wortwörtlichen Sinne: Mit fremden Personen sind nicht andere Personen aus dem engen Umfeld gemeint, die das Kind aber gut kennen, sondern die Pädagogen und Psychologen der externen Firma, die vom Land Nordrhein-Westfalen wie auch von anderen Bundesländern mit der Durchführung einer solchen Potentialanalyse in Schulen beauftragt werden. Diese Leute haben die Kinder nie zuvor gesehen oder gesprochen, wissen rein gar nichts über die Schüler und Schülerinnen.

Diese völlig fremden Menschen sollen dann in der Lage sein, durch reine Beobachtung von Verhalten in unterschiedlichen Situationen, die Persönlichkeit und die Fähigkeiten dieses ihnen völlig unbekannten Schülers einzuschätzen? Mit der Gefahr, dass einmal dokumentierte „Fakten“ (und alles, was der vermeintliche „Fachmann“ dokumentiert gilt leider unumstößlich als Fakt!) nicht mehr aus der Vita wegzubekommen sind?

Es besteht die Gefahr, dass das Kind in eine Schublade einsortiert wird, „katalogisiert“ wird. Quasi in einem späteren Bewerberpool online registriert ist, auf den potentielle Arbeitgeber ganz gezielt, durch Auswahl bestimmter Kriterien zurückgreifen können.

Das System spuckt dann bedarfsgerecht genau die Bewerber aus, die in das Anforderungsprofil, insbesondere auch  bezüglich der Persönlichkeit des potentiellen zukünftigen Mitarbeiters, passen.

Die eingesetzten Mitarbeiter der externen Firmen sollen speziell geschulte Leute mit pädagogischer oder psychologischer Ausbildung sein. Den Nachweis hierüber bleiben diese Firmen aber in der Regel schuldig, weil auch gar keiner danach fragt.

In einer Zwischenbilanz zum Thema Potentialanalyse des Bundesinstituts für Berufsbildung wurde ich fündig, was Informationen über die Erfahrungen des eingesetzten Personals angeht: …

Wenn Sie diesen hochinteressanten und sehr ausführlichen Artikel zum Thema weiterlesen wollen, klicken Sie bitte hier:

http://birgitvandenberg.de/?page_id=359